Ausgezeichnete Heringsfischerei

MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei für den „Rügenhering“: Nicht nur Hobbyangler stellen den kleinen Silberlingen gerne nach, die Heringsfischerei wird selbstverständlich auch kommerziell betrieben.

Die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer GmbH hat heute das MSC-Zertifikat für ihre Schleppnetzfischerei auf Hering in der westlichen Ostsee erhalten. Dr. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, gratuliert der Fischerei für ihre langjährigen Bemühungen um eine nachhaltige Bewirtschaftung des Heringsbestandes bei der Zertifikatsübergabe in Schwerin: „Wir alle können nun beim Gang in den Supermarkt oder auf dem Fischmarkt einen Beitrag für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ostseeressourcen leisten, und Hering aus Mecklenburg-Vorpommern mit dem MSC-Siegel kaufen. Damit tun wir etwas für die Umwelt, für die Fischbestände aber auch für die Fischerinnen und Fischer, die dank des MSC-Siegels nun auf höhere Einnahmen hoffen können.“

Langfristige ökoklogische und ökonomische Vorteile

Dank des MSC-Siegels erhalten die Fischer von ihren Abnehmern nun einen höheren Preis. Die MSC-Zertifizierung zahlt sich also nicht nur für die Meeresumwelt aus, sondern in diesem Fall auch für die Fischer. „In Deutschland fordern viele wichtige Handelshäuser, Markenproduzenten und verarbeitende Unternehmen einen Nachhaltigkeitsnachweis für die Rohware. Die MSC-Zertifizierung liefert diesen Nachweis. Den dadurch entstandenen Marktvorteil können wir an die gesamte zertifizierte Heringsfischerei weitergeben und den Fischern ab sofort, je nach Größensortierung, bis zu 30 Prozent mehr pro Kilo zertifizierten Hering bezahlen,“ erklärt Dr. Uwe Richter, Geschäftsführer der Euro-Baltic Fischverarbeitungs GmbH, die die Fischerei während des gesamten Zertifizierungsprozess fachlich und organisatorisch begleitet hat. Marnie Bammert, Leiterin des MSC-Büros für den deutschsprachigen Raum, fügt hinzu: „Dass immer mehr Händler und Produzenten zertifizierte Ware nachfragen, ist ein klarer Anreiz für Fischereien, ihre Tätigkeiten zu durchleuchten und nachhaltiger zu gestalten. Mit Hilfe dieser Nachfrage möchten wir den Anteil der nachhaltigen zertifizierten Fischereien weltweit von derzeit neun Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 steigern. Das ist ein ambitioniertes Ziel und wir brauchen noch mehr Fischer wie jene in der Ostsee, die bereit sind, die Herausforderung anzunehmen und sich auf Herz und Nieren prüfen zu lassen.“

Heringsfischerei in der Ostsee – eine saubere und selektive Fischerei

Das MSC-Siegel wird nur an Fischereien vergeben, die Fischbestände so nutzen, dass sie in einem guten Zustand bleiben oder nachweislich wieder dorthin anwachsen, deren Einwirkung auf die Lebensräume im Meer verträglich sind, und die ein effektives Management vorweisen können. Die zertifizierte Heringsfischerei setzt pelagische Schleppnetze ein. Ein solches Netz wird von jeweils zwei Kuttern durch das offene Wasser gezogen. Diese Zweiboot-Technik wird auch als „Tucken“ bezeichnet. Die Auswirkungen der Fischerei auf den Meeresboden sind gering, da die Netze diesen in der Regel nicht berühren. Gefischt wird ausschließlich nachts, denn erst in der Dunkelheit folgen die Heringe ihrer Beute in Richtung Wasseroberfläche – tagsüber leben sie dichter am Meeresboden. Da Hering ein Schwarmfisch ist, der sich selten mit anderen Arten mischt, sind ungewollte andere Fänge in dieser Fischerei ausgesprochen gering.

Einigung für verantwortungsvolles Fischereimanagement

Die Größe eines Fischbestandes ändert sich von Jahr zu Jahr. Diese Schwankungen hängen nicht nur von der gefangenen Menge Fisch ab, sondern auch von natürlichen Einflüssen. Für eine nachhaltige Nutzung ist es unabdingbar, dass die Fischerei auf solche Schwankungen reagiert. Der Heringsbestand der westlichen Ostsee mischt sich im Kattegat und Skagerrak mit dem Heringsbestand der Nordsee. Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt gemeinsam durch die Europäische Union und Norwegen, das ebenfalls an der Heringsfischerei beteiligt ist. Im April 2014 haben sich Norwegen und die EU erstmals auf ein Verfahren zur Festsetzung der Fangmengen geeinigt – die nun nicht mehr jedes Jahr von Neuem ausgehandelt werden. „Diese Einigung war ein wichtiger Schritt hin zu einem Management, das auf eine nachhaltige, optimale Nutzung des Heringsbestandes in der westlichen Ostsee ausgerichtet ist“, bestätigt Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. „Seit 2011 steigt der Heringsbestand an und das Gesamtgewicht der Elterntiere hat den grünen Bereich 2014 wieder erreicht. Die Einigung zwischen der EU und Norwegen sieht vor, dass die Höchstfangmengen den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen. Damit ist die Voraussetzung für eine weiterhin positive Bestandsentwicklung erfüllt.“

Hering – ein beliebter Speisefisch der Deutschen

Seit jeher gehört der Hering zu den beliebtesten Speisefischen der Bundesbürger. 16 Prozent des in Deutschland verzehrten Fisches ist Hering. Er ist im gesamten Nordatlantik und auch in der Ostsee zu Hause. Dort dürfen die 38 MSC-zertifizierten Kutter der Erzeugergemeinschaft in diesem Jahr 6.700 Tonnen Hering fangen. Der schmackhafte „Rügenhering“ wird vor allem in marinierter Form in Deutschland, den Niederlanden und weiteren EU-Staaten auf den Markt gebracht. Verarbeitet wird der Fisch direkt auf der Insel Rügen bei der dort ansässigen Euro-Baltic Fischverarbeitungs GmbH. „Mit dem MSC-Zertifikat halten wir nun den Nachweis in Händen, dass unser Hering auf verantwortungsvolle Weise gefangen wird“, freut sich Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft. „Es handelt sich um ein rundum regionales und nachhaltiges Produkt: Der Fisch stammt aus heimischen Gewässern, wird von lokalen Fischern mit Rücksicht auf die Meeresumwelt gefangen und direkt vor Ort auf Rügen verarbeitet. Darauf sind wir stolz.“

Quelle: Pressemitteilung MSC

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