Erfolgreiche Fortsetzung des Artenschutzprojekt Karausche

Mit dem landesweit einzigartigen Artenschutzprojekt Karausche sollen die Bestände des eigentlich so anpassungsfähigen Fisches wieder angehoben werden.

Pressemitteilung des Landessportfischerverbandes Niedersachsen e.V. vom 13. Oktober 2014:

Nach zweijähriger Vorbereitung startete der Landessportfischerverband Niedersachsen e.V. (LSFV) im Frühjahr 2013 ein Artenhilfsprogramm für die stark gefährdete Karausche (Carassius carassius). Den Grundstock für die Vermehrung und Aufzucht bildeten Elterntiere aus einem Mühlenteich im Einzugsgebiet der Weser. Im Herbst 2013 fanden 700 Jungfische in einem Aller-Altarm einen neuen Lebensraum. „Das war ein toller Start“, erinnert sich Projektleiter Thomas Klefoth, Verbandsbiologe beim LSFV. Mit dem Zuchtergebnis aus diesem Sommer hatte allerdings niemand gerechnet: „Über 2.500 Jungfische – das übertrifft all unsere Erwartungen“, freut sich Klefoth mit Fischwirt Hartmut Böse. Unter dessen Fürsorge waren die Fische in den letzten Monaten in den Meißendorfer Teichen bis auf etwa sieben Zentimeter herangewachsen. Abnehmer für die jungen Karauschen fanden die beiden Experten schnell: „Viele unserer Vereine engagieren sich vorbildlich für die Förderung und den Erhalt der Vielfalt heimischer Fischarten,“ berichtet Klefoth. Und das, obwohl der „Bauernkarpfen“, wie die Karausche im Volksmund auch heißt, anglerisch eigentlich uninteressant ist. Jetzt schwimmen die kleinen Hoffnungsträger in den Müllinger Teichen (Pächter FV Hannover), in einem Kleingewässer des AV Nienburg / Weser und im Altarm Theewinkel, betreut durch den FV Celle.

Weiher
Hier fühlt sich die Karausche wohl

Bedrohte Überlebenskünstler

Karauschen gehören zu den robustesten Fischarten in Deutschland: sie überleben im Schlamm eingegraben selbst das kurzfristige Trockenfallen oder gar das Durchfrieren von Gewässern durch eingelagerte Zucker- (Glykogen-) Reserven. Niedrigste Sauerstoffwerte machen ihnen kaum etwas aus, sogar im Brackwasser fühlen sie sich noch wohl. Kein Wunder, dass sie bis vor wenigen Jahrzehnten in ganz Niedersachsen verbreitet und häufig waren.

Ihren Platz auf der Roten Liste verdanken sie der anhaltenden Zerstörung oder nachhaltigen Veränderung ihrer ebenfalls bedrohten Lebensräume: kleine Tümpel und Standgewässer, Altarme und Auen. Gewässertypen, die von Angelvereinen in Niedersachsen in den letzten Jahren vermehrt neu geschaffen oder renaturiert wurden. In solchen Kleingewässern können die ausgesetzten Fische jetzt wieder selbstständig laichen und sich vermehren.

Gefahr besteht auch durch die Bastardisierung mit dem nah verwandten Giebel (Carassius gibelio). Der wird allzu häufig fälschlicherweise als „Karausche“ gehandelt oder gar aus mangelnder Vorsicht und Kenntnis in Mischbeständen gezüchtet und vermehrt. Anhand äußerer Merkmale lassen sich die beiden Verwandten nur mit einigem Aufwand unterscheiden. Den für die Karausche oft beschriebenen schwarzen Fleck auf der Schwanzwurzel haben zum Beispiel meist nur Jungfische. „Um ganz sicher zu gehen, muss man einen Fisch töten, aufschneiden und das Bauchfell unter die Lupe nehmen“, berichtet Thomas Klefoth. Beim Giebel sei es schwarz.

Ausweitung des Projektes geplant

Derzeit erarbeiten Mitarbeiter des LSFV ein Verzeichnis der noch vorhandenen wenigen Karauschengewässer in Niedersachsen, um speziell angepasste Elterntiere aus dem Einzugsgebiet der großen Flüsse für die natürliche Vermehrung in den Meißendorfer Teichen zu fangen. Im Rahmen eines Förderprojektes soll dann die Auf- und Nachzucht ausgeweitet werden, damit die Wiederansiedlung der kleinen Überlebenskünstler in ganz Niedersachsen ein Erfolg wird.

Quelle: Landessportfischerverband Niedersachsen e.V.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.