Erlebnisbericht: Wels aus dem Rhein (NRW)

Es ist zwar schon einige Zeit her, aber ein Wels aus dem Rhein hallt nunmal ziemlich lange nach.

Vor allem, wenn man nicht mit einem solchen Giganten rechnet und  nicht mal annähernd adäquat ausgerüstet ist.

Der Rhein: Diva, Köderverschlucker, Schneiderei und ab und zu für Sternstunden bzw. Überraschungen gut.

Heute stiefelte ich zur vom beissindex empfohlenen Zeit an den Strom. Große Hoffnungen hatte ich nicht, da ich ja meine zu wissen, dass die Räuber z.Z. nur in den Morgenstunden zum Frühstück in die Buhnen kommen und dann halt nachts wieder zum Mitternachtssüppchen. Der beissindex empfahl die Zeit 15-17 Uhr.

Wie auch immer – ohne große Erwartungen ging ich mitten am Tage los … um mich im Nachhinein davon überzeugen zu lassen, dass auch zu dieser Zeit geraubt wird. Als Barsch-Zielfischer war der Tag zwar mal wieder für die Katz‘, aber dennoch eine (persönliche) Sternstunde. Ich bin (im Idealfall) auf 40cm große, grün-schwarz-gestreifte Fische mit roter Schwanzflosse aus. Heute gab es keinen dieser Sorte. Und das sage ich mit einem großen Grinsen im Gesicht.

Drei Zander – Mitte 50, Mitte 60 und 71cm sind schon ’ne äußerst feine Sache. Das Highlight allerdings war ein „Monster-Hecht“, von dem ich zunächst dachte, es wäre ein Hänger. Als ich kurz davor war, den Bügel zu öffnen um Köderrettungsmaßnahmen zu ergreifen, zog es an der Rute. Oha – da habe ich wohl einen Baumstamm erwischt, der am Grund dahertreibt. Kurz angekurbelt, um zu testen, ob ich das Ding – und somit meinen Köder – an Land bringen und retten kann.

Doch dann zog er ab, der „Hecht“. Wahnsinn! Das wird der Hecht meines bisherigen Anglerlebens. Junge, hat der Kraft!

WallerAber Moment mal … wo sind die Kopfstöße?! Aaaaarrghh…der „Hecht“ zieht mal eben 50m meiner bis fast zum Anschlag geschlossenen Black Arc ab?! Da stimmt doch was nicht. Wie groß werden Rhein-Hechte? Bislang noch keinen am Band gehabt.

Die Angst im Nacken, dass der „Hecht“ jederzeit das Fluo-Vorfach kappen könnte, dämmerte es so langsam. Das kann kein Hecht sein!

Mit einem Wels aus dem Rhein ist nicht zu spaßen

Was dann folgte war ein rund 25 minütiger K(r)ampf gegen das Ungetüm am anderen Ende der Schnur. Der „Hecht“, der gar kein Hecht war, hatte im ersten Drittel der Buhne relativ ufernah gebissen. Zunächst ging es in die Mitte der Buhne, danach wieder zurück in Richtung der Steinpackung, auf der ich stand. Doch dann zog es den Brocken in den Hauptstrom. Das geht nicht gut, dachte ich mir und versuchte ihn mit aller Macht der mir zur Verfügung stehenden Mittel daran zu hindern. Die Mittel waren mit einer gängigen Zanderrute und 7kg-Schnur äußerst begrenzt. Da bis dahin bereits rund 20 Minuten vergangen waren, war der Fisch offensichtlich und Gott sei Dank nicht mehr komplett bei Kräften. Letztendlich konnte ich den Wels mehr schlecht als recht landen, ihm den Köder in einer schwierigen Geburt herausoperieren und ihn wieder seines Weges ziehen lassen.

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Ich weiß nicht, wie lange ich nach dem Drill noch gezittert hab. Ich war jedenfalls ganz schön platt und voller Adrenalin. Achja, und auch glücklich. Dass ich den Riesen unter diesen Bedingungen landen und ohne Piercing releasen konnte, war sicherlich auch Glückssache. Außerdem war es der erste Waller überhaupt, den ich gesehen und gefangen habe. Als Rolle kam (zum Glück) eine Black Arc zum Einsatz, die auch in der 3000-er Größe bis auf die aufnehmbare Schnurmenge noch das großfischtauglichste Element meiner Kombi war. Köder war ein Komodo Shad von Spro mit 9 cm Länge.

Größe des Wallers: keine Ahnung. Als ich ihn am Ufer hatte, habe ich nur kurz meine Rute als Maßstab zu Hilfe gezogen. In gekrümmter Haltung hatte er etwa halbe Rutenlänge (also ca. 1,30). Die tatsächliche Größe lag wohl irgendwo bei 1,50 – 1,60 m.

Die gute Nachricht: Mein Puls näherte sich nach nur wenigen Stunden wieder dem Normalwert.

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