Isländische Fischerei auf Seehase erhält MSC-Zertifikat

Die isländische Seehasenfischerei hat das MSC-Siegel für nachhaltige und vorbildliche Fischereien erhalten. Die aus 330 kleinen Kuttern bestehende Fischerei ist somit die erste MSC-zertifizierte Seehasenfischerei weltweit.

Der Fisch mit dem eigenartigen Namen Seehase (Cyclopterus lumpus), auch Lump oder Lumpfisch genannt, wird bereits seit Jahrhunderten in Islands Ausschließlicher Wirtschaftszone gefischt – also bis zu 200 Seemeilen vor Islands Küste. Männliche und weibliche Seehasen unterscheiden sich äußerlich stark in Farbe und Größe, was es der Fischerei erleichtert, die wegen ihres Rogens begehrten weiblichen Seehasen zu selektieren. Der beliebte Seehasenkaviar gelangt in erster Linie auf europäische Märkte. Das Fleisch des weiblichen Fisches erfreut sich in China zunehmender Beliebtheit, wohingegen der seltener gefangene männliche Seehase vor allem in Island verzehrt wird.

Stabiler Seehasen-Bestand

Der Bestand zwischen Island und Norwegen ist einer von drei genetisch verschiedenen Seehasenbeständen im Nordatlantik. Die Bestände waren in der Vergangenheit starkem Druck ausgesetzt, was unter anderem im Zusammenbruch des kanadischen Bestandes im Jahr 2003 mündete. Die Fangmengen der isländischen Seehasenfischerei sind seit 1990 vergleichsweise stabil. Die Seehasenfischerei wird über verschiedene Maßnahmen kontrolliert. Für die dreimonatige Fischereisaison wird beispielsweise nur eine begrenzte Zahl an Seetagen und Fischereilizenzen vergeben. Außerdem ist die Größe der Kutter beschränkt und die Anzahl der Netze pro Kutter sowie die Maschengröße vorgegeben.

Keine Beeinträchtigung der Lebensräume

In Islands Gewässern findet sich eine Vielzahl sensibler Ökosysteme, in denen der Seehase allerdings nicht vorkommt. Die in der Seehasenfischerei eingesetzten Bodenstellnetze gehören in die Klasse der passiven Fangeräte und haben nur minimale Auswirkungen auf den steinigen Meeresboden im flachen Küstengewässer. In der Seehasenfischerei fallen circa fünf Prozent Kabeljau (Gadus morhua) als Beifang an, der aus dem sehr gut gemanagten isländischen Kabeljaubestand stammt. Da es in Island ein Anlandegebot gibt, werden Beifänge verarbeitet und nicht über Bord geworfen.

Die erste ihrer Art

Der Verarbeiter Vignir G. Jónsson, der die MSC-Bewertung der Fischerei angestoßen hat, wurde 1970 gegründet und beschäftigt in seiner Hauptproduktionsstätte in der isländischen Stadt Akranes etwa 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, kleinere Betriebe befinden sich auch an der Ostküste Islands. Geschäftsführer Eíríkur Vignisson freut sich, dass die MSC-Bewertung nun abgeschlossen ist: „Alle Seehasenfischereien im Nordatlantik wurden im vergangenen Jahr von den Umweltorganisationen rot gelistet. Das war ein herber Schlag für die Branche. Ich hoffe, dass die MSC-Zertifizierung den isländischen Seehasenprodukten helfen wird, grün gelistet zu werden. Es ist uns wichtig, ausländischen Käufern bestätigen zu können, dass unsere Produkte aus einer wirklich nachhaltigen Fischerei stammen.“

Gisli Gislason, MSC-Verantwortlicher für den Nordatlantik, sagte: „Seehasenrogen ist ein wichtiges Produkt für den europäischen Markt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Fischerei ist wichtig, um eine langfristige nachhaltige Befischung des Seehasenbestandes sicherzustellen. Die MSC-Zertifizierung gibt Verbraucherinnen und Verbrauchern rund um den Globus die Sicherheit, dass dieser Kaviar aus einer vorbildlichen Fischerei stammt. Wir wünschen uns, dass die Zertifizierung dieser Fischerei ein Anreiz für andere Seehasenfischereien sein wird, nachhaltig zu arbeiten und sich nach dem MSC-Standard bewerten zu lassen.“

Quelle: Pressemitteilung MSC

Bild: Cephas (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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